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Donnerstag, 8. Februar 2024

100 Jahre Biodynamisch

100 JAHRE BIOLOGISCH-DYNAMISCHE BEWEGUNG

Von Michael Olbrich-Majer, Demeter e.V.

Abnehmende Fruchtbarkeit, schlechtere Lebensmittel – die anthroposophischen Landwirte, die 1924 Rudolf Steiner um eine Vortragsreihe im schlesischen Schloss Koberwitz gebeten hatten, wollten Anregungen für eine bessere Landwirtschaft. Noch während des Kurses gründeten sie einen Versuchsring – Vorläufer aller heutigen Demeter-Organisationen.

Steiners Ideen zur Landwirtschaft wurden rasch an verschiedenen Orten in Mitteleuropa, aber auch in Übersee praktiziert und beforscht. Seit 1927 verwenden die Pioniere den Begriff „biologisch-dynamisch“ für die Methode und ab 1928 kennzeichnet die Demeter-Marke das so Erzeugte. 1941 wurden die biologisch-dynamischen Organisationen vom NS-Regime verboten.

Nach dem Krieg bauten in Deutschland ein paar Dutzend Betriebe und Aktivisten die biodynamische Arbeit wieder auf. 1957 waren es bereits knapp 100 anerkannte Demeter-Betriebe. Um den noch jungen und umstrittenen Ökolandbau zu erforschen, gründeten Schweizer Demeter-Bauern mit anderen 1978 ein Forschungsinstitut, das FiBL, an dem u. a. ein Langzeitversuch zeigen soll, was Bio kann: Im Vergleich zwischen dynamisch, organisch und konventionell erweist sich biodynamisch als das Beste für den Boden (u. a. publiziert in Science 296, 1694–1697: Mäder, P. et al. [2002]: Soil fertility and biodiversity in organic farming). Auch an weiteren biodynamischen Institutionen wird wissenschaftlich gearbeitet, teils zusammen mit Universitäten.

Bio heißt Bildung – in den Siebzigerjahren werden in Deutschland zwei biodynamische Landbauschulen gegründet, 1983 folgt eine eigenständige regionale Ausbildung für Lehrlinge auf Demeter-Höfen, auch in anderen Ländern entstehen biodynamische Ausbildungsstätten. In Indien und Ägypten stärkt die biodynamische Methode auch Kleinbauern. Die Demeter-Bewegung, von Anfang an international aufgestellt, gründet 1997 einen internationalen Dachverband mit 19 Landesorganisationen.

Bio braucht neben Forschung, Ausbildung und dem Entwickeln guter Lebensmittel auch eine eigene Züchtung, denn Pflanzensorten und Tierrassen sollen zur unkonventionellen Wirtschaftsweise passen. Züchter und Gärtner sind da bereits aktiv, 2010 unterstützt der Demeter-Verband die biodynamischen Pflanzenzüchter mit einer eigenen Richtlinie. Um die Öko-Tierzucht auf den Weg zu bringen, gründet Demeter mit Bioland die ökologische Tierzucht gGmbH, die neben der Zucht eines Zweinutzungshuhns auch die ökologische Rinderzucht verfolgt.

2024 arbeiten weltweit – von Peru bis Japan, von Norwegen bis Australien – in 57 Ländern ca. 6.500 landwirtschaftliche Betriebe auf zusammen über 200.000 Hektar, dazu kommen etwa 2.500 Demeter-Mitglieder aus Verarbeitung und Handel.


Donnerstag, 13. Januar 2022

Hofbrief: KW 2 - Die Lammzeit beginnt

Die Lammzeit hat begonnen! Am Samstag kamen die ersten fünf Lämmer zur Welt. Stand Donnerstag hüpfen jetzt sieben Lämmer von vier Mutterschafen im Stall herum. Schön, wenn die Lammungen unproblematisch verlaufen und die Lämmer gut bei der Mutter satt werden. Manchmal müssen wir Geburtshilfe leisten oder ein Tier mit der Flasche aufziehen, schließlich sollen möglichst viele kleine Lämmchen groß und stark werden.

Die ersten sechs Wochen bleiben Mütter und Kinder zusammen. Melken können wir da nur, was die Lämmer übrig lassen. Ende Februar ist somit mit der ersten größeren Milchmenge zum Verkäsen zu rechnen.

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Gar nicht so einfach, auf einem landwirtschaftlichem Betrieb einen Termin zu finden, an dem alle aus dem Hofteam Zeit für einen Betriebsausflug haben. Und die lieben Hoftieren wollen zweimal täglich versorgt sein. Ende November haben wir es doch tatsächlich geschafft ;-)

Das Hofteam von Entrup119 mit Hilde und Martha vom Laakenhof


Diesmal haben wir den „neuen“ Laakenhof südlich von Münster besucht. Die dortige Betriebsgemeinschaft musste vor zwei Jahren den alten Standort des Betriebs in Neubeckum wegen auslaufender Pacht aufgeben und richtet sich mittlerweile am neuen Standort in Enniger ein. 

Die kleine Milchviehherde ist in einen neu gebauten „Komfortstall“ eingezogen. Die Milch wird in einer Hofkäserei zu diversen Käsesorten verarbeitet. In Folientunneln und auf den hofnahen Feldern wird Gemüse für die Abokisten-Kunden und den Hofladen angebaut. Die Folientunnel stehen auf Schienen und können alle paar Jahre versetzt werden, um dem Gewächshausboden eine Ruhepause zu ermöglichen. Dazu gibt es in kleinem Stil Getreide- und Futterbau. 

Sehr beeindruckt waren wir von dem sehr aktiven Hofverein „Anders ackern“ – Hier haben sich Menschen aus dem Umfeld des Hofes zusammen gefunden, die beim Umzug und bei diversen Baumaßnahmen mit geholfen haben. Andere kümmern sich um Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Ein kleiner aber feiner Permakulturgarten wurde von einer Arbeitsgruppe selbstständig angelegt und steht allen Besuchern offen.

Nach der Hofführung wurden wir zu einem leckeren Mittagessen in die Hofküche eingeladen; einige fanden einen gemütlichen Platz am offenen Kamin.

Die „Laakies“ bleiben uns als sehr warmherzige Menschen und Kolleg*innen in Erinnerung.

Links:

  • http://wordpress.laakenhof.de/

  • https://anders-ackern.de/

Freitag, 20. Januar 2012

Bio-Gemüsegärtner für CSA-Projekt nahe München gesucht!

Vielleicht gibt es ja einen jungen Landwirt oder Gemüsegärtner aus dem Münsterland, der sich dazu berufen fühlt eine neue Herausforderung in München, im schönen bayerischen Land, anzunehmen?

Bio-Gemüsegärtner für CSA-Projekt nahe München gesucht!

Kartoffelkombinat ist das neue CSA-Porjekt in München das gerade gegründet wird, und auf jeden Fall einen Blick wert:
www.kartoffelkmbinat.de

Gruß Nane

Donnerstag, 19. Januar 2012

Abschied und Neubeginn: Wie startet man eine CSA?

Nun ist es schon fast 3 Monate her, als ich mich klammheimlich aus Münster verabschiedet habe und mich auch leider von Entrup trennen musste. Unser Weg hat uns wieder zurück in meine Heimat geführt, nach München.

Und seit dem sind wir auf der Suche nach "unserem kleinen Bauernhof". Obwohl es hieß, Bayern sei, was CSA anginge, schon sehr weit, haben wir uns bisher sehr schwer getan, das zu finden, was wir suchen: eine Kopie von Entrup. Naja, von diesem Traum müssen wir uns verabschieden.

Es gibt hier klar schon einige Naturlandbetriebe, aber keiner davon hat einen eigenen Hofladen und meistens werden nur bestimmte Sorten angebaut. Auch gibt es hier eine grüne Kiste, die von einem sehr idyllischen Hof geleitet wird. Dieser Hof ist aber kein "Besuchshof", sondern eigentlich nur eine Verwaltungszentrale. Und das Bio-Gemüse kommt aus zig verschiedenen Höfen aus aller Herrenländer.

Ich liebe sehr unseren Gemüsehof um die Ecke. Aber leider baut dieser sein Gemüse nicht nach ökologischen Aspekten an, weder Bioland, Naturland, ganz zu schweigen von demeter. Aber sie bieten nur Saisonales, haben einen wunderschönen liebevollen Hofladen und sind unheimlich nett. Auch wenn nicht nach Mondphase und mit Pferdestärke das Land bewirtschaftet wird, merkt man, dass diese Landwirte mit Liebe und Zuversicht ihren Beruf ausüben. Auch hier gibt es dann mal alte und schon vergessene Sorten, wie zum Beispiel die "boarische Ruabn" - LECKER!!!

Nun fällt uns Anfang der Woche ein komischer Link in die Hände: "Kartoffelkombinat". Hm - was das wohl zu bedeuten hat? Eine Initiative zur Rettung von alten, ausgestorbenen Kartoffelsorten? Ein Verein von Kartoffelernte-Veteranen?

Aber dann wird uns bewußt, nein, hier sind zwei junge, sehr engagierte Männer aus München, die genau das auf die Beine stellen wollen, was wir schon aufgegeben haben zu suchen: eine weitgehend unabhängige, lokale Grundversorgung an Lebensmitteln um ökologische Souveränität wieder zu erlangen! Und dieses Projekt steckt noch total in den Kinderschuhen. Aber wie macht man sowas? Wie stampft man ein CSA einfach aus dem Boden?

Die beste Entscheidung war, dass man sich mit einen bestehenden Naturland-Betrieb zusammen schließt. Und ein weiterer Naturland-Betrieb, der im Moment still liegt, soll dann unter die Fittiche genommen werden.

Ja, erinnert Euch an unsere Anfangszeit, da wird noch ein hartes Stück Arbeit auf die Münchner zukommen, und weil ich's nicht lassen kann, werde ich da wohl kräftig mitmischen! Wir sind gespannt, wie es sich weiterentwickelt!

Bis dahin
Eure Nane

Freitag, 17. Juni 2011

Neues vom CSA-Hof Pente



Anderthalb Monate nach Beginn des Projektes gab es am Freitag (17. Juni 2011) von 16:00 bis 18:00 ein CSA-Treffen. Dabei wurde den Mitgliedern die Gelegenheit gegeben, sich bei Kaffee und Kuchen gemeinsam über die ersten Erfahrungen auszutauschen.
Ich war ich eingeladen, um von den Erfahrungen vom CSA-Projekt auf dem Gärtnerhof zu berichten.

Freitag, 3. Juni 2011

CSA-Hof Pente

Die Schüler /innen der 9. Klasse an der Freien Waldorfschule in Münster absolvieren momentan allein oder zu zweit ihr dreiwöchiges Landwirtschafts­praktikum auf Biohöfen.

Im Zuge der Praktikums­betreuung bin ich heute in Bramsche gewesen und habe mich mit großem Interesse auf dem CSA-Hof umgesehen.

Schon auf der Zufahrt zum Hof sieht man das neue Hühnermobil, mit dem es möglich ist, den Auslauf für die 200 Hühner regelmäßig auf frische Grasflächen zu verschieben.

Im Laufe des letzten Jahres haben Julia & Tobias Hartke­meyer mit ihren Mit­arbeitern Interessen­ten über ihre Form der solidarischen Landwirtschaft informiert und haben sich vor Zulauf kaum retten können: bei 130 Teilnehmern gab es einen Aufnahmestopp. Denn zunächst musste eine Ackerfläche für den Gemüseanbau hergerichtet, mussten Gewächshäuser aufgestellt und Unterkünfte für die Schweine besorgt werden.

Seit einigen Wochen bekommen die CSA'ler im Ausgaberaum auf dem Hof ihre Brote, ihre Eier und ihr Gemüse.

Bei allen Beteiligten merkt man die Aufbruchstimmung und den Anfangselan.
Vielleicht sollten wir bald mal die Chance nutzen, das CSA-Modell in unserer Nachbarschaft kennenzulernen.
Weitere Informationen auf der Homepage von Hof Pente: http://www.hofpente.de/

Freitag, 8. April 2011

CSA Hof Pente Blog: Zukunft säen

CSA Hof Pente Blog: Zukunft säen: "Am Samstag den 26.3.2011 um 10:00 Uhr trafen sich 100 Menschen auf dem CSA Hof Pente zur Gemeinschaftsaktion „Zukunft säen“. Gemeinsam wurde Brotgetreide per Hand aus biodynamischer Züchtung ausgesät. Dank dieser Sorten ist ein gesunder und nachhaltiger Weg ohne den Einsatz von grüner Gentechnik möglich! ..."

Hof Pente im NDR

Ein kurzer Film über den CSA Hof Pente findet sich unter diesem Link:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/media/hallonds2651.html

Dienstag, 5. April 2011

SEKEM Geschäftsführer in U-Haft

Helmy Abouleish, Geschäftsführer von SEKEM im Ägypten befindet sich seit dem 29. März in Untersuchungshaft. Im Zuge der aktuellen Aufarbeitung der ägyptischen Vergangenheit wird Helmey Abouleish die enge Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen Ägyptens zum Verhängnis. Bis auf Weiteres übernimmt nun Dr. Ibrahim Abouleish, Gründer von Sekem und Träger des Alternativen Nobelpreises die Geschäftsführung von SEKEM. Im folgendem Brief fasst Helmey Abouleish die ihm zu Last gelegten Vorwürfe zusammen. Hoffen wir mal, dass er es schafft die Vorwürfe zu entkräften und dass auch im neuen Ägypten SEKEM und die Arbeit der Familie Abouleish als positive Bereicherung des Landes verstanden werden kann. Die Facebook-Seite von Sekem berichtet regelmäßig über Neuigkeiten.

Liebe Freunde, 30. März 2011

Nun ist leider doch passiert, was ich nicht in meinen schlimmsten Alpträumen, nach allen Beratungen mit meinen Anwälten, und schon gar nicht nach den positive Verhören mit den Experten, die meinen Fall geprüft haben, erwartet habe. Ich muss nun – in Untersuchungshaft – die weiteren Verhöre mit dem Staatsanwalt machen.

Ich war in drei Punkten verhört worden:
  1. Die direkten Auftraege, die ich – zusammen mit meinen Kollegen – in meiner Position beim IMC an internationale Beratungsfirmen vergeben hatte. Ich wurde beschuldigt, 27 Millionen Pfund unrechtmäßg ausgegeben zu haben. Dieser Punkt wurde nach allen Verhören als unbegründet abgeschlossen und zu den Akten gelegt.
  2. Ein Prozess, durch den Sekem an das Food Technology Center ein Gebäude vermietet hat, in den das FTC heute eine Kräuterdesinfektionsanlage betreibt, wurde als nicht transparent bezeichnet. Es wurde behauptet, dass dies zur Veruntreuung eines Gerätes mit einem Wert von 1 Millionen Euro geführt habe. Auch dieser Punkt wurde als unbegründet zu den Akten gelegt.
  3. Es wird behauptet, dass ich nicht das Recht gehabt haette, nach Ende meiner Zeit als IMC Executive Director, als Mitglied des IMC Councils Fördergelder des IMC fuer Dienstleistungen an Sekemfirmen in Anspruch zu nehmen. Das gleiche gilt übrigends für den ehemaligen Industrieminister Rashid und meinen Freund Adham Nadim, der auch im IMC Council war, obwohl wir nachweisen konnten, dass dies nach dem Manual of Procedure des IMC zulässig war. Zusätzlich konnten wir ein rechtliches Gutachten von einem staatlichen Rechtsberater vorweisen, das dies als zulässig bezeichnet, und alle unsere Verträge und Zahlungen wurden von internen Kontrollen sowie von zwei externen Kontrollstellen geprüft. Abgesehen davon hat auch die EU, die den größten Teil des IMC Budgets zur Verfügung gestellt hat, dieses Vorgehen geprüft und akzeptiert.

Alles obige nutzte nichts, offensichtlich wollen die Behörden unter allen Umständen Exminister Rashid und uns anklagen! Auf alle Fälle sind meine Anwälte immer noch sicher, dass auch dieser Punkt beim Staatsanwalt oder im Gericht als unbegründet abgewiesen wird.

Ich bin ganz sicher, dass alles,was ich beim IMC gemacht habe, rechtmäßig und transparent war. Nun hoffe ich, dass wir das so schnell wie möglich beweisen können, und ich wieder mein normales Leben führen kann.

Bis es soweit ist, muss ich nun wohl einen "Zwangsurlaub" nehmen. Ich werde aber auch den Urlaub nutzen, um die Dinge, die mir am Herzen liegen, weiter zu verfolgen, und noch mehr über die vielen Themen die mir wichtig sind zu lernen!

Ich freue mich schon bald wieder mit Euch unsere gemeinsamen Ziele weiter zu bearbeiten! Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute, Gottes Beistand, und verbleibe, immer an Euch denkend,

Helmy

Montag, 7. März 2011

Saisonauftakt bei Ortoloco in Zürich

... als wir am 19. Februar die Spatenbrigade ausriefen: Über 70 Genossenschafterinnen und Freunde von Ortoloco schwangen den Spaten im Takt des Aliev Bleh Orkestar.

Freitag, 4. März 2011

Film: CSA in Tangsehl

Vom Demeter Hof Tangsehl zwischen Lüneburg und Wendland gibt es einen schönen Film mit glücklichen Kühen, glücklichen Landwirten und glücklichen CSA'lern. Klasse!

Samstag, 19. Februar 2011

SEKEM, 13. Februar 2011

Aufatmen und ein positiver Ausblick - die Sekem-Initiative in Ägypten begrüßt den jüngsten Wandel und fühlt sich daran durch 30 Jahre Basis-Arbeit auch nicht ganz unbeteiligt:

Liebe Freunde,

Am 11. Februar wurden wir Zeugen eines historischen Ereignisses, das mit Sicherheit in den kommenden Geschichtsbüchern als Meilenstein der Ägyptischen Geschichte festgehalten werden wird: Präsident Mubarak ist nach fast drei Wochen überwiegend friedlicher Demonstrationen zurückgetreten.

Während der letzten 60 Jahre regierten Ägypten drei Präsidenten: Gamal Abdel Nasser, Anwar Sadat und Hosny Mubarak. So wurde das Land über die letzten Jahrzehnte von Militärgenerälen geführt, mit dem Ergebnis, dass es heute verarmt ist und als Entwicklungsland eingestuft wird.

Die lange und erfolgreiche Geschichte Ägyptens, unsere praktischen Erfahrungen mit den Mitarbeitern SEKEMs und auch die Eigeninitiative und Ausdauer mit der die ägyptische Jugend die jüngsten Ereignisse möglich machte zeigt uns, dass hier weit mehr Potential vorhanden ist. Durch die letzten dunklen Jahrzehnte hindurch orientierte man sich aber aus der aktuellen Situation heraus nur an den alten Werten: die Pyramiden und Tempel, und die alte unglaublich reiche Geschichte dieses Landes. Durch die jüngste Entwicklung ist nun der Weg frei, zeitgemäße Werte zu schaffen, und das brachliegende Potential des Landes weiter zu entwickeln. Dies war und ist nur möglich durch eine ganzheitliche und nachhaltige Arbeitsweise, die Bereiche umfasst die weit über das Materielle hinausgehen.

SEKEM hat von Anfang an in diesem Sinne gearbeitet, und wir sind davon überzeugt, dass dies auch die aktuellen Ereignisse mit ermöglicht hat. Durch mehr als 30 Jahre ganzheitlicher Entwicklungs- und Bildungsarbeit konnten wir zur Entstehung eines neuen Bewusstseins in der Gesellschaft beitragen. Es wirkt nun ein neuer Geist der Eigeninitiative und Eigenverantwortung statt Resignation, der ein Nährboden für die Protestbewegung war, die sich eine neue Zukunft für Ägypten nicht nur gewünscht hat, sondern aktiv dafür kämpft.

In diesem Sinne wird SEKEM nun neue Wege aufzeigen und mitgestalten in eine freiheitlich-demokratische, friedliche und fruchtbare Zukunft hinein. SEKEM möchte Diener des Zeitgeistes sein.

Wir danken Ihnen allen von Herzen für Ihre Unterstützung, Ihre unermüdliche Anteilnahme an SEKEM und Ihren ermutigenden Zuspruch für unser Tun - ohne all dies wäre unsere erfolgreiche Arbeit nicht möglich gewesen.

Wir hoffen, im gemeinsamen Tun und vom Geisteslicht geführt, die zeitgemäßen Wege in die Zukunft zu finden.

In herzlicher Verbundenheit
Ihre Sekemer

Sechs Firmen der Sekem-Gruppe mit rund 2.000 MitarbeiterInnen verarbeiten Demeter-zertifizierte Rohstoffe zu hochwertigen Textilien, natürlichen Arzneimitteln und einer Vielzahl an Lebensmitteln. Dies bildet die Grundlage für weitere weitereichende kulturelle und soziale Tätigkeit.

Dienstag, 8. Februar 2011

CSA in Brasilien

Uff - geschafft!!

Nach 14 Monaten Aufbauarbeiten, haben wir am Sonntag, den 6. Februar das erste CSA Projekt im Staat Sao Paulo beschlossen und werden in hoffentlich 3 Monaten mit den ersten Auslieferungen beginnen.

Entrup119 war hierfür eine große Hilfe. Danke an alle, die dieses schöne Projekt mit aufgebaut haben und am Leben halten. Danke auch an alle Blogger, die eine Teilnahme auch aus der Ferne ermöglichen.

Bilder und ein weiterer Bericht folgen hoffentlich bald.

Sommerliche Grüße aus Brasilien
Hermann

Donnerstag, 3. Februar 2011

Sekem, Ägypten

Mit den täglichen Nachrichten aus Ägypten steigt auch die Sorge um die SEKEM-Initiative, die mit ihren mehr als 2.000 Mitarbeitern inzwischen eine weltweite Anerkennung im Bereich ökologische Landwirtschaft und nachhaltiges Wirtschaften erlangt hat (siehe "Abenteuer Wissen", ZDF). Heute kam dann endlich eine erste Rückmeldung von Dr. Ibrahim Abouleish, Gründer der Initiative und Träger des Alternativen Nobelpreises:

SEKEM, 02. Februar 2011

Liebe Freunde,

ganz herzlichen Dank für die positiven Gedanken und Wünsche, sie sind uns in dieser Zeit eine große Unterstützung!
Ägypten steht ganz offensichtlich vor einem überfälligen Wandel, der durch das zögerliche Verhalten in Bezug auf Veränderung nun leider in einem krisenhaften Prozess vor sich geht.
Dass dies so explosiv geschehen würde, übersteigt jegliche Vorstellungskraft und kam für alle Menschen im Land völlig unvorhergesehen.
Wir hoffen sehr, dass die bereits getroffenen Maßnahmen der Regierung vom Volk verstanden und angenommen werden. Wir hoffen weiterhin, dass der dadurch gewonnene Raum sinnvoll gefüllt und genutzt werden kann, um den Willen des Volkes umzusetzen und die Basis für eine wirkliche Erneuerung der Politik und Gesellschaft zu schaffen.
Auch wenn die Richtung der politischen Entwicklung weiterhin nicht absehbar ist, so ist es doch hauptsächlich die vorübergehend reduzierte Polizeipräsenz die uns alle, unsere Mitarbeiter und das ganze Land, in den letzten Tagen eine instabile Situation gebracht hat. Die Sicherheitskräfte wurden inzwischen wieder aufgestockt, und wir sind erleichtert, dass sich die Sicherheitslage im Stadtzentrum Kairos stetig verbessert und die Läden und Geschäfte zeitweise wieder geöffnet haben. Auf der SEKEM Farm und in den Firmen haben wir den Betrieb mit einem Großteil der Mitarbeiter wieder aufgenommen, in Universität und Hauptverwaltung ist die Arbeit allerdings noch etwas eingeschränkt und wird sich erst normalisieren können, wenn das Internet wieder im ganzen Land verfügbar ist und dieAusgangssperren aufgehoben werden.
In der Zeit des Wandels und Wiederaufbaus wird es umso dringender sein, einen starken Impuls für eine nachhaltige Entwicklung zu setzen. Angesichts der Herausforderungen wie auch der bedeutenden Möglichkeiten, die nun vor uns liegen, hoffen und zählen wir auf Ihre entschiedene Unterstützung.
Bitte richten Sie auch allen Kolleginnen und Kollegen unsere herzlichsten Grüße aus und seien Sie beruhigt, dass wir sicher und wohlbehalten sind.

Nochmals vielen Dank,
Dr. Ibrahim Abouleish, Helmy Abouleish und die gesamte SEKEM-Gemeinschaft

Sonntag, 23. Januar 2011

Bericht vom Buschberghof in FAZ


Unter dem Titel: "Wie man ein Stück Landwirtschaft abonniert" wurde am 13. Januar (und heute erst von uns entdeckt) über CSA am Buschberghof in der FAZ berichtet. Hier der Link zum Bericht: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EE4ACD4149BDF484290E6C0BE444C4BA0~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Sonntag, 19. Dezember 2010

Zu Besuch auf dem CSA Hof Pente




Leckerste Stollenvariationen mit und ohne Butter, Kaffee und Tee am prasselnden Kamin. Es war gemütlich beim zweiten CSA-Cafe auf Hof Pente kurz hinter Osnabrück.

Hof Pente: seit unzähligen Generationen im Besitz der Familie Hartkemeyer. 46 ha groß, Bioland und Demeter zertifiziert, überwiegend Getreideanbau, Experimente mit Yamswurzeln. Früher hat es „Vater“ Johannes Hartkemeyer auch mal mit 300 Schweinen und 2.500 Hühnern versucht – „unglaublich, was wir den Schweinen damals alles gespritzt haben“. Ende der 80er Jahre kam dann der Gesinnungswandel, das im Getreideanbau rege eingesetzte Herbizit 2-4-5 T hieß wo anders "Agent Orange" – so wollte man nicht weitermachen. Musste man zum Glück auch nicht: der Hof war längst ein Nebener­werbsbetrieb, das Auskommen haben Johannes Hartkemeyer und seine Frau Martina, beide Dr. rer. Pol. in der Erwachsen­bildung verdient, Johannes Hartkemeyer bis 2009 als Leiter der VHS Osnabrück und beide als international gefragte Dialog-Experten. Zwischenzeitlich studierte Sohn Tobias zusammen mit „unserem“ Kenneth in Kassel Witzenhausen Ökologische Agrarwissenschaften, promovierte und hat sich nun zusammen mit seiner Frau Julia, gelernte Gärtnerin und studierte Agrarwissenschaftlerin, vorgenommen dem Hof mit CSA einen neuen Sinn zu geben. Das ganze ist eine echte Herzens-Angelegenheit, denn Geld verdienen muß die Famile damit erstmal nicht und so gab es nach dem ersten CSA-Treffen auch gleich die kompetente und kostenlose Unterstützung von Gärter und Pfarrer Martin Kühnert, der über reichlich praktische Erfahrung im Gartenbau verfügt.

Inzwischen laufen die Planungen für 2011 auf Hochtouren: wo sollen die Gewächshäuser hin? Welche Pflanzen werden benötigt, welches Saatgut? Was brauchen CSA’ler? Und wie kann das ganze organisiert werden? Auch die künftigen CSA’ler haben Fragen: was kann ich erwarten? Wie funktioniert das mit Teilfamilien? Oder Vegetariern? Wie wird die Verteilung organisiert? Was kostet die Teilnahme?
Tobias hat ausgerechnet, dass Hof Pente 300 Leute versorgen kann und die „Einheit“ 85 Euro kosten wird, Kinder die Hälfte. Dafür gibt es viel Gemüse, Kartoffeln, Getreide, Eiern und Fleisch aus eigener Produktion. Aus dem Getreide wird von einem Biobäcker in Münster Brot hergestellt, das dann auch zum Lieferumfang gehören wird. Milch und Käse wie auf Entrup wird es erstmal nicht geben – aber mal schauen, vielleicht kann man ja mit einem anderen Landwirt in der Umgebung eine Kooperation eingehen.


„85 Euro pro Einheit“, dass provozierte zaghaften Wiederspruch von Wolfgang Stränz aus Hamburg. Wolfgang ist seit 22 Jahren CSA’ler am Buschberghof – die Mutter aller CSA-Höfe. Feste Preise mag er nicht. Vielmehr sollte jeder Teilnehmer selber einschätzen, was ihm die Teilnahme wert ist – immerhin spart man eine Menge an anderer Stelle und gewinnt eine Menge an Lebensqualität. Spannend sind die Vorträge von Wolfgang immer wieder, wenn er von sozialer Dreigliederung, vollen Tiefkühltruhen und individuellen Anlaufschwierigkeiten.berichtet.

Ich freue mich, über die Entwicklung auf Hof Pente - und vielleicht gibt es ja irgendwann auch mal eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Mein Besuch dort war der erste, es werden sicherlich noch viele folgen.

Mittwoch, 17. November 2010

Was ist CSA? Ein Vortrag von Wolfgang Stränz

Der Buschberghof bei Hamburg gilt als Keimzelle der westlichen CSA-Bewegung. Hier lebte zwanzig Jahre lang Trauger Groh, der "Erfinder" von CSA, bevor dieser nach Amerika auswanderte. Dort schrieb Trauder Groh ein Buch, nannte seine Idee CSA und war fortan ein gefragter Mann.

Wolfgang Stränz lebt in Hamburg und ist "Esser" vom Buschberghof. In seinem hörenswerten Vortrag (MP3, 44,6 MB) vom 15. Oktober 2010 an der Freiburger Uni, zu der die dortige CSA-Initiative GartenCoop Freiburg eingeladen hat, berichtet er vom Buschberghof und von seinen bald 25 Jahren als CSA'ler.



Der Vortrag wurde aufgezeichnet vom Radio Dreyeckland, Freiburg und steht unter folgender Creative-Commons Lizenz: Nichtkommerziell, Bearbeitung erlaubt, Weitergabe unter gleicher Lizenz erwünscht.

Samstag, 9. Oktober 2010

CSA - es tut sich was im Land! - Fortsetzung

Im Juli berichtete ich bereits von neuen CSA-Bestrebungen auf dem Demeter-Hof Pente / Hartkemeyer in Bramsche, etwa 20km nördlich von Osnabrück. Heute gab es dort eine Infoveranstaltung zu der auch Kenneth und Susanna eingeladen waren, um von unseren Erfahrungen auf Entrup 119 zu berichten. Im Vorfeld hat die Neue Osnabrücker Zeitung unter dem Titel "Bio-Flatrate für Obst, Gemüse und Fleisch" über das Projekt berichtet und einen monatlichen Preis von 85 EUR genannt. Ich bin gespannt wie es weitergeht und melde mich wieder, wenn es Neues aus Bramsche gibt.

UPDATE: Am Tag danach melden die Bramscher Nachrichten "Bio-Flatrate stieß auf reges Interesse". Von den über 80 interessierten Besuchern der Infoveranstaltung haben sich gleich 29 für eine Teilnahme entschieden - Klasse!

Sonntag, 4. Juli 2010

CSA - es tut sich was im Land!

Langsam nimmt das Konzept "Community Supported Agriculture" Fahrt auf - nicht nur bei uns in Münster sondern neuerdings auch in Osnabrück. Der Demeter-Hof Hartkemeyer in Bramsche, etwa 20km nördlich von Osnabrück, hat zusammen mit der Transition Town Initiative Osnabrück zu einem ersten CSA-Treffen eingeladen, an dem ca. 30 Personen mit regem Interesse teilnahmen. Weitere regelmäßige Treffen für eine Initiativkreis zur Konkretisierung sind geplant. Ich drücke dann mal die Daumen für ein gutes Gelingen!

Donnerstag, 22. April 2010

Ein Kurzbesuch auf dem Dottenfelder Hof

Heute hatte ich das Vergnügen eines kurzen Besuches auf dem Dottenfelder Hof in Bad Vilbel bei Frankfurt. Der Dottenfelder Hof wurde bereits 1946 biologisch-dynamisch be­wirtschaftet. Zwischenzeitlich konventionell betrieben, wurde der Hof wieder Ende der 60er Jahre zum Bio-Hof. Um die Existenz des Hofes langfristig zu sichern, erwarb im Jahr 1979 die gemeinnützige »Landbauschule Dotten­felderhof e.V.« unter Mitwirkung von Albert Fink und der GLS-Bank den Hof.

Inzwischen bewirtschaftet der Hof etwa 156 ha Land und hält 80 Milchkühe, etliche Schweine und Hühner. Auf dem Dotten­felderhof leben über 100 Menschen, über 130 Mitarbeiter sind in den verschiedenen Bereichen (Landwirtschaft, Forschung und Züchtung, Landbauschule, Vermarktung, Käserei, Hofcafe und der Holzofenbäckerei) beschäftigt - ein gutes Beispiel für die am Sonntag im Vortrag von Albert Fink beschriebene "multifunktionale Land­wirtschaft".

Bei meinem Besuch hatte ich den Eindruck, dass der Dottenfelderhof ein beliebtes Ausflugsziel in der Region ist und die Besucher auch entsprechend willkommen sind: überall befanden sich Infotafeln, das Cafe bot Leckereien (Mangold-Rollen mit Hirse-Mantel und Salat) an und im Hofladen, der schon ein kleiner Supermarkt ist, bildete sich eine kurze Schlange an der Kasse. Viele Kinder, die mit ihren Eltern hierhergekommen waren, schauten nach den Tieren oder machten Picknick und genossen das selbsgemachte Yoghurt-Eis mit Zitrone.

Besonders beeindruckend fand ich bei meinem Rundgang die Schweine, die eine imense Größe haben. Interessant war auch das Hühnermobil, ein beweglicher Hühnerstall für 700 Hühner, der immer wieder an eine andere Stelle verschoben werden kann, um so eine Übernutzung des Bodens zu verhindern.