Sonntag, 19. Dezember 2010

Zu Besuch auf dem CSA Hof Pente




Leckerste Stollenvariationen mit und ohne Butter, Kaffee und Tee am prasselnden Kamin. Es war gemütlich beim zweiten CSA-Cafe auf Hof Pente kurz hinter Osnabrück.

Hof Pente: seit unzähligen Generationen im Besitz der Familie Hartkemeyer. 46 ha groß, Bioland und Demeter zertifiziert, überwiegend Getreideanbau, Experimente mit Yamswurzeln. Früher hat es „Vater“ Johannes Hartkemeyer auch mal mit 300 Schweinen und 2.500 Hühnern versucht – „unglaublich, was wir den Schweinen damals alles gespritzt haben“. Ende der 80er Jahre kam dann der Gesinnungswandel, das im Getreideanbau rege eingesetzte Herbizit 2-4-5 T hieß wo anders "Agent Orange" – so wollte man nicht weitermachen. Musste man zum Glück auch nicht: der Hof war längst ein Nebener­werbsbetrieb, das Auskommen haben Johannes Hartkemeyer und seine Frau Martina, beide Dr. rer. Pol. in der Erwachsen­bildung verdient, Johannes Hartkemeyer bis 2009 als Leiter der VHS Osnabrück und beide als international gefragte Dialog-Experten. Zwischenzeitlich studierte Sohn Tobias zusammen mit „unserem“ Kenneth in Kassel Witzenhausen Ökologische Agrarwissenschaften, promovierte und hat sich nun zusammen mit seiner Frau Julia, gelernte Gärtnerin und studierte Agrarwissenschaftlerin, vorgenommen dem Hof mit CSA einen neuen Sinn zu geben. Das ganze ist eine echte Herzens-Angelegenheit, denn Geld verdienen muß die Famile damit erstmal nicht und so gab es nach dem ersten CSA-Treffen auch gleich die kompetente und kostenlose Unterstützung von Gärter und Pfarrer Martin Kühnert, der über reichlich praktische Erfahrung im Gartenbau verfügt.

Inzwischen laufen die Planungen für 2011 auf Hochtouren: wo sollen die Gewächshäuser hin? Welche Pflanzen werden benötigt, welches Saatgut? Was brauchen CSA’ler? Und wie kann das ganze organisiert werden? Auch die künftigen CSA’ler haben Fragen: was kann ich erwarten? Wie funktioniert das mit Teilfamilien? Oder Vegetariern? Wie wird die Verteilung organisiert? Was kostet die Teilnahme?
Tobias hat ausgerechnet, dass Hof Pente 300 Leute versorgen kann und die „Einheit“ 85 Euro kosten wird, Kinder die Hälfte. Dafür gibt es viel Gemüse, Kartoffeln, Getreide, Eiern und Fleisch aus eigener Produktion. Aus dem Getreide wird von einem Biobäcker in Münster Brot hergestellt, das dann auch zum Lieferumfang gehören wird. Milch und Käse wie auf Entrup wird es erstmal nicht geben – aber mal schauen, vielleicht kann man ja mit einem anderen Landwirt in der Umgebung eine Kooperation eingehen.


„85 Euro pro Einheit“, dass provozierte zaghaften Wiederspruch von Wolfgang Stränz aus Hamburg. Wolfgang ist seit 22 Jahren CSA’ler am Buschberghof – die Mutter aller CSA-Höfe. Feste Preise mag er nicht. Vielmehr sollte jeder Teilnehmer selber einschätzen, was ihm die Teilnahme wert ist – immerhin spart man eine Menge an anderer Stelle und gewinnt eine Menge an Lebensqualität. Spannend sind die Vorträge von Wolfgang immer wieder, wenn er von sozialer Dreigliederung, vollen Tiefkühltruhen und individuellen Anlaufschwierigkeiten.berichtet.

Ich freue mich, über die Entwicklung auf Hof Pente - und vielleicht gibt es ja irgendwann auch mal eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Mein Besuch dort war der erste, es werden sicherlich noch viele folgen.

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