Donnerstag, 22. Februar 2024

Olles Wintergemüse? Tolles Wintergemüse!

Hofbrief: KW 8 

Der dunkle Teil des Winters ist überstandenes ist jetzt spürbar länger hell und die Sonne klettert, wenn sie sich mal zeigt, schon recht hoch über den Wald und die Hecken. Nachts kühlt es oft noch stark ab; derweil haben wir tagsüber auch schon 17°C gemessen; unsere Gewächshäuser erwärmen sich unter den Sonnenstrahlen auf über 25°C.

Für gewöhnlich pflanzen wir Mitte-Ende Februar in den Folientunneln das erste Frühlingsgemüse: Salat, Kohlrabi, Fenchel und Weißkohl, Spinat und Stielmus. Aktuell bereiten uns jedoch die vielen Niederschläge sogar im geschützten Anbau Schwierigkeiten. Das viele oberflächennahe Grundwasser drückt von unten in die Folientunnel rein. Einige Beete sind zu nass und können nicht für die Pflanzung vorbereitet werden. Da ärgert man sich doppelt, wenn es warm genug ist für die Frühjahrskulturen, aber man bekommt sie nicht in die Erde.

Wer sich dagegen in den letzten Wochen über das olle Wintergemüse ärgert, dem seien tolle saisonale Zubereitungsmöglichkeiten empfohlen, ausführlich bebildert und beschrieben auf unserem Instagram-Kanal oder in unserem Blog. Lasst Euch inspirieren!

Seit Wochen melken wir die Schafe von Hand, um die wenige Milch, die uns die Lämmer übrig lassen, möglichst verlustfrei zum Verkäsen zu sammeln. Mittlerweile sind es über achtzig Tiere. Sobald die ersten Lämmer Ende Februar entwöhnt werden und die Milchmenge steigt, können wir die Melkmaschine wieder in Betrieb nehmen.

Donnerstag, 15. Februar 2024

die ersten Frühlingsboten

Hofbrief: KW 7 

Das trübe Wetter kann die ersten Frühlingsboten nicht aufhalten: Die Singvögel stimmen ihre Lieder an. Die ersten Frühblüher, Schneeglöckchen und Erlen wurden gesichtet.
In den Folientunneln
wachsen die Wintersalate wieder etwas schneller. Salat, Stielmus und Spinat keimen in der Jungpflanzenanzucht für die Pflanzungen im März. Außerdem werden bereits Paprika und Auberginen gesät – sie brauchen viel Wärme und wachsen zunächst sehr langsam, auf der Fensterbank und im Frühbeet, bis sie dann im Mai in die Gewächshäuser gepflanzt werden.

Auf den Feldern und Wiesen entnehmen wir Bodenproben, um den Gehalt an Humus und den wichtigsten Pflanzennährstoffen zu ermitteln und Bodenversauerung zu bemerken. Die Analyseergebnisse aus dem Labor erlauben uns im langjährigen Vergleich Rückschlüsse auf unsere Bewirtschaftungsweise. Ist die Düngung mit dem hofeigenen Schafmist ausgewogen und ist der kohlensauere Kalk das Richtige, um Bodenversauerung entgegen zu wirken? Ist die Fruchtfolge vielfältig genug, um einseitiger Verarmung des Bodens vorzubeugen? Bauen wir ausreichend Gründüngungspflanzen an, damit der Humusgehalt sich positiv entwickeln kann?
Allerdings sind die
Prozesse im Boden immer sehr komplex, viele biologische, physikalische und chemische Einflussfaktoren spielen eine Rolle. Nicht immer lässt sich ein Mangel oder Überschuss an bestimmten Inhaltsstoffen kurzfristig beheben. Die gute fachliche Praxis trägt manchmal erst nach Jahrzehnten Früchte,

Auch im Schafstall herrscht ein reges Treiben. Über 80 von 110 Schafen haben bereits gelammt, die Lämmer springen vergnügt durch den Stall, machen ihre Wettrennen, Bocksprünge, klettern und tragen kleine Kämpfe miteinander aus.
Die
Schafmütter gehen morgens und abends in den Melkstand und wir melken die Milch ab, die die Lämmer übrig gelassen haben. Da kommt noch nicht sehr viel zusammen, aber schon genug, dass wir regelmäßig Milch verarbeiten können. Mit den ersten Joghurt- und Quarkgläschen sowie Käsetalern wurde die Saison 2024 eröffnet.
La
sst es Euch schmecken!

Ökomarkt MS morgen nur von 12 - 15 Uhr

Wir sind am Freitag, 16. Februar 2024
von 12 - 15 Uhr

auf dem Ökomarkt / Domplatz in MS und
freuen uns auf euer Kommen! 

Ab 15 Uhr räumen wir unseren Standplatz und
machen Platz für die
Demo gegen den AfD-Neujahrsempfang.

Donnerstag, 8. Februar 2024

100 Jahre Biodynamisch

100 JAHRE BIOLOGISCH-DYNAMISCHE BEWEGUNG

Von Michael Olbrich-Majer, Demeter e.V.

Abnehmende Fruchtbarkeit, schlechtere Lebensmittel – die anthroposophischen Landwirte, die 1924 Rudolf Steiner um eine Vortragsreihe im schlesischen Schloss Koberwitz gebeten hatten, wollten Anregungen für eine bessere Landwirtschaft. Noch während des Kurses gründeten sie einen Versuchsring – Vorläufer aller heutigen Demeter-Organisationen.

Steiners Ideen zur Landwirtschaft wurden rasch an verschiedenen Orten in Mitteleuropa, aber auch in Übersee praktiziert und beforscht. Seit 1927 verwenden die Pioniere den Begriff „biologisch-dynamisch“ für die Methode und ab 1928 kennzeichnet die Demeter-Marke das so Erzeugte. 1941 wurden die biologisch-dynamischen Organisationen vom NS-Regime verboten.

Nach dem Krieg bauten in Deutschland ein paar Dutzend Betriebe und Aktivisten die biodynamische Arbeit wieder auf. 1957 waren es bereits knapp 100 anerkannte Demeter-Betriebe. Um den noch jungen und umstrittenen Ökolandbau zu erforschen, gründeten Schweizer Demeter-Bauern mit anderen 1978 ein Forschungsinstitut, das FiBL, an dem u. a. ein Langzeitversuch zeigen soll, was Bio kann: Im Vergleich zwischen dynamisch, organisch und konventionell erweist sich biodynamisch als das Beste für den Boden (u. a. publiziert in Science 296, 1694–1697: Mäder, P. et al. [2002]: Soil fertility and biodiversity in organic farming). Auch an weiteren biodynamischen Institutionen wird wissenschaftlich gearbeitet, teils zusammen mit Universitäten.

Bio heißt Bildung – in den Siebzigerjahren werden in Deutschland zwei biodynamische Landbauschulen gegründet, 1983 folgt eine eigenständige regionale Ausbildung für Lehrlinge auf Demeter-Höfen, auch in anderen Ländern entstehen biodynamische Ausbildungsstätten. In Indien und Ägypten stärkt die biodynamische Methode auch Kleinbauern. Die Demeter-Bewegung, von Anfang an international aufgestellt, gründet 1997 einen internationalen Dachverband mit 19 Landesorganisationen.

Bio braucht neben Forschung, Ausbildung und dem Entwickeln guter Lebensmittel auch eine eigene Züchtung, denn Pflanzensorten und Tierrassen sollen zur unkonventionellen Wirtschaftsweise passen. Züchter und Gärtner sind da bereits aktiv, 2010 unterstützt der Demeter-Verband die biodynamischen Pflanzenzüchter mit einer eigenen Richtlinie. Um die Öko-Tierzucht auf den Weg zu bringen, gründet Demeter mit Bioland die ökologische Tierzucht gGmbH, die neben der Zucht eines Zweinutzungshuhns auch die ökologische Rinderzucht verfolgt.

2024 arbeiten weltweit – von Peru bis Japan, von Norwegen bis Australien – in 57 Ländern ca. 6.500 landwirtschaftliche Betriebe auf zusammen über 200.000 Hektar, dazu kommen etwa 2.500 Demeter-Mitglieder aus Verarbeitung und Handel.


Freitag, 2. Februar 2024

Gebratene Pastinaken auf Zuckerhut mit Zitronen-Senf-Dressing

Zuckerhut ist auch so ein ungeliebter Kandidat, der leider häufig liegen bleibt oder in der Tauschkiste landet. Dabei kommt es nur drauf an ihn richtig zu kombinieren. 

Letztes Wochenende gab es Zuckerhut mit gebratenen Pastinaken. Sie sind schön süß und mildern so die Bitterkeit etwas ab. Ich hatte noch eine von der vorletzen Einheit, ihr könnt stattdessen aber auch Kartoffeln nehmen. Mit viel Zwiebeln anbraten, dazu ein leckeres Senf-Zitronen-Dressing mit - zugegebenermaßen - mehr Zucker als gewöhnlich und getoppt mit frischen Dill. Einfach nur lecker. 

Ich hatte aus der Tauschkiste noch einen verwaisten zweiten Zuckerhut mitgenommen. Den gab es mit geraspeltem Apfel, Pistazien, Gojibeeren und einem veg. Sahne-Dressing. Köstlich 💚

 

1 Zuckerhut (400 g)
2 Pastinaken (600 g)
2 Zwiebeln (140 g)
1 Knoblauchzehe
3 EL Bratöl
2 hv getrocknete Tomaten
2 TL Paprika, edelsüß
1 TL Paprika, rosenscharf
Salz nach Geschmack
frischer Pfeffer

Zitronen-Senf-Dressing:
 ½ EL Senfsamen (ich habe schwarze genommen, evtl. mal mit gelben probieren, oder einen Mix)
1 TL Zitronenzesten
5 EL Sonnenblumenöl
2 EL Apfelessig
1 EL Zitronensaft
1-2 EL Rohrzucker
1 TL Senf, mittelscharf
1 kleine Knoblauchzehe
½ TL Salz
¼ TL Pfeffer

½ Bund Dill

Für das Zitronen-Senf-Dressing die Senfsamen mörsen. Wer keinen Mörser hat, kann auch 1 TL mehr Senf nehmen. Aber gerade die frischen Senfsamen geben der Salatsoße die gewisse Note.
BIO-Zitrone heiß abwaschen und ca. 1 TL Zesten abziehen.
Beides mit den restlichen Zutaten gut mischen und final abschmecken.

Zuckerhut waschen und klein schneiden.
Pastinaken schälen und in mundgerechte Stücke schneiden.

Zwiebeln und Knoblauch abziehen, würfeln und in einer Pfanne in Öl etwas andünsten.
Pastinaken hinzufügen und anbraten.
Tomaten klein schneiden und mit den Gewürzen hinzufügen.

Dill von den Stielen zupfen, Salat auf 4 Teller verteilen. Pastinaken auf dem Salat anrichten und mit frischem Pfeffer, Dill und Salatsoße toppen.

Donnerstag, 1. Februar 2024

Kommen und gehen

Hofbrief: KW 5 

Die Lammsaison ist an einem vorläufigen Höhepunkt angekommen – am Wochenende eine Lammung nach der anderen bis in die Nacht, am Dienstag Morgen dann sieben Geburten in kürzester Zeit. Das erfordert immer wieder viel Aufmerksamkeit. Zum Glück hat das Landwirtschaftsteam seit dieser Woche Unterstützung von Praktikantin Nele, die für drei Monate bleiben möchte.

Ende letzter Woche haben die letzten Gänse den Hof verlassen. Gartenbauauszubildender Lennart hatte vor zwei Jahren ein Gänsepaar mitgebracht. In beiden Frühjahren hat die Gans erfolgreich Gössel ausgebrütet und der Ganter die kleinen Tollpatsche erfolgreich vor Füchsen, Greifvögeln und anderen Gefahren verteidigt. Den Sommer verbrachte die unzertrennliche Herde meist im Obstgarten, im Spätherbst/Winter gab es eine kleine Hausschlachtung und die Jungtiere wanderten als Weihnachtsgans auf den Tisch.
Ende Februar plant Lennart nach abgeschlossener Ausbildung seinen Umzug und er hat für seine Tiere jetzt auch ein anderes schönes Zuhause gefunden.


Matthias
, ein jungen Förster aus unserem Teilgeber*innen-Kreis hat in dem kleinen Waldstück am Hof im jungen Eichenbestand die „Zukunftsbäume“ markiert, die er fördern möchte und auch die zu entnehmenden Bäume. Wir versuchen das Wäldchen bis Ende Februar zu durchforsten, d.h. die markierten, störenden Bäume zu fällen, damit sich die „Zukunftsbäume“ zu stattlichen, geraden, astfreien Eichen entwickeln können.

Donnerstag, 25. Januar 2024

die ruhige Jahreszeit ;-)

Hofbrief: KW 4 

Stürmischer Wind hat Sonntag Abend den Frost hinweg gefegt. Am Montag kletterte das Thermometer schon wieder auf über 10°C. Nachts gab es dann Gewitter mit großen Hagelkörnern. Die Folientunnel scheinen es gut überstanden zu haben. Rosenkohl und Grünkohl, Porree und Wirsing, denen der Frost schon einiges an Durchhaltevermögen abverlangt hat, mussten auch den Hagel tapfer aushalten. Für die nächste Nacht ist wieder Sturm gemeldet

Neben den Routinearbeiten räumen wir die renovierte Tenne wieder ein, verbrettern die neue Scheune und verkleiden die Trockenbauwand zum Heizungsraum. Die Frühbeete und Multitopfplatten werden für die beginnende Jungpflanzenanzucht gereinigt. Jetzt heißt es wichtige Reparaturen, Aufräumarbeiten und kleine technische Verbesserungen nicht aus den Augen zu verlieren, denn schon sehr bald ist der Winter wieder vorbei und wir kommen in den warmen Monaten wieder nicht dazu.

Täglich kommen wieder Lämmer zur Welt und so gibt es auch die ersten Milchüberschüsse, die wir abmelken müssen. In den nächsten Wochen sind somit die ersten frischen Käseprodukte zu erwarten.

Bei der diesjährigen Gemüse-Anbauplanung müssen wir mehr als bisher den Fokus darauf legen, dass wir nicht nur die verfügbaren Ackerflächen möglichst sinnvoll nutzen, sondern auch Sorten anbauen, die ertragreich sind aber vergleichsweise weniger arbeitsintensiv. In den letzten Jahren war es zunehmend schwieriger, offene Stellen, insbesondere Vollzeitstellen zu besetzten. Arbeit blieb liegen und verunkrautete Beete mit wenig Ertrag waren die Folge. Beispielsweise bei den Zwiebeln haben wir seit Jahren keine guten Flächenerträge eingefahren. Kürbis dagegen hat mit vergleichsweise wenig Aufwand immer wieder gute Ernten gebracht. Jetzt heißt es also abwägen: Welche Kulturen sind absolut erforderlich und sollten mehr Aufmerksamkeit bekommen? Wo können wir mit gut besuchten Mitmachtagen den Anbau beliebter Gemüsesorten ermöglichen? Und worauf können wir in Zukunft verzichten, um Arbeitsspitzen zwischen März und November abzubauen?